Teilzeit
Teilzeitarbeitsvertrag: was anders ist als in Vollzeit und wie Sie anteilig rechnen
Ein Teilzeitvertrag sieht auf den ersten Blick aus wie ein Vollzeitvertrag mit kleinerer Stundenzahl. Die Fehler entstehen bei den anteiligen Ansprüchen, bei flexiblen Arbeitszeitmodellen und bei der Frage, wann Mitarbeitende ihre Arbeitszeit später verringern oder wieder erhöhen dürfen. Diese Seite zeigt die Rechenwege und die Regeln des Teilzeit- und Befristungsgesetzes.
Stand: 2026-10-15
Anteilige Ansprüche am Beispiel
Vergleich einer Vollzeitkraft mit 40 Stunden an fünf Tagen und einer Teilzeitkraft mit 30 Stunden an vier Tagen im selben Betrieb.
| Leistung | Vollzeit (40 Std., 5 Tage) | Teilzeit (30 Std., 4 Tage) | Rechenweg |
|---|---|---|---|
| Monatsgehalt | 4.000 € | 3.000 € | 4.000 € × 30 ÷ 40 |
| Urlaub | 30 Arbeitstage | 24 Arbeitstage | 30 × 4 ÷ 5 Arbeitstage |
| Weihnachtsgeld als Monatsgehalt | 4.000 € | 3.000 € | Folgt dem Monatsgehalt |
| Essenszuschuss je Arbeitstag | Je Arbeitstag | Je Arbeitstag | Anspruch je tatsächlichem Arbeitstag |
| Überstundenzuschlag | Ab der 41. Stunde | Ab Überschreiten der vereinbarten 30 Stunden, wenn Vollzeitkräfte ab ihrer vereinbarten Zeit einen Zuschlag erhalten | Keine Benachteiligung wegen Teilzeit |
| Mindestlohn je Stunde | 13,90 € (2026) | 13,90 € (2026) | Gilt je Stunde unabhängig vom Umfang |
Urlaub richtig umrechnen
Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt 24 Werktage, berechnet auf eine Sechs-Tage-Woche (§ 3 BUrlG). Für jede andere Verteilung wird nach Arbeitstagen umgerechnet: Urlaubstage mal Arbeitstage der Teilzeitkraft geteilt durch die Arbeitstage, auf die sich der Vollzeitanspruch bezieht. Die Stundenzahl pro Tag spielt keine Rolle, weil ein Urlaubstag immer einen ganzen Arbeitstag freistellt.
Eine Teilzeitkraft mit fünf Arbeitstagen zu je vier Stunden hat deshalb genauso viele Urlaubstage wie eine Vollzeitkraft. Eine Teilzeitkraft mit drei vollen Arbeitstagen erhält bei 30 Tagen Vollzeiturlaub 30 × 3 ÷ 5 = 18 Arbeitstage — für sie bedeutet das ebenfalls sechs Wochen Freistellung. Schreiben Sie den Urlaub im Vertrag deshalb in Arbeitstagen und mit der zugrunde gelegten Zahl der Arbeitstage pro Woche.
Ändert sich die Verteilung im laufenden Jahr, etwa von fünf auf drei Arbeitstage, wird bereits erworbener Urlaub nicht nachträglich gekürzt. Bei Bruchteilen gilt: Beim Teilurlaub im Eintritts- oder Austrittsjahr werden Bruchteile von mindestens einem halben Tag auf einen vollen Tag aufgerundet (§ 5 Abs. 2 BUrlG). Außerhalb dieses Falls sieht das Gesetz keine Rundung vor; der Bruchteil ist dann entsprechend zu gewähren, eine vertragliche Aufrundung zugunsten der Beschäftigten ist jederzeit zulässig.
Arbeit auf Abruf und flexible Arbeitszeit
Wer Teilzeitkräfte nach Arbeitsanfall einsetzen möchte, vereinbart Arbeit auf Abruf nach § 12 TzBfG. Der Vertrag muss dann eine bestimmte Dauer der wöchentlichen und täglichen Arbeitszeit festlegen. Fehlt die Wochenzahl, gelten 20 Stunden als vereinbart; fehlt die tägliche Dauer, muss der Arbeitgeber jeden Einsatz für mindestens drei zusammenhängende Stunden in Anspruch nehmen.
Ist eine Mindestarbeitszeit vereinbart, darf der Arbeitgeber höchstens 25 Prozent zusätzlich abrufen; ist eine Höchstarbeitszeit vereinbart, höchstens 20 Prozent weniger. Bei vereinbarten 20 Mindeststunden pro Woche liegt der Korridor also zwischen 20 und 25 Stunden. Zusätzlich muss der Vertrag Referenztage und Referenzstunden nennen, innerhalb derer abgerufen werden kann, und der Arbeitnehmer muss nur arbeiten, wenn ihm die Lage mindestens vier Tage im Voraus mitgeteilt wird.
Diese Angaben gehören auch in den Nachweis nach § 2 Abs. 1 Satz 7 Nr. 9 NachwG. Wer sie weglässt, riskiert eine höhere Vergütungspflicht als geplant — und bei geringfügig Beschäftigten den Verlust des Minijob-Status.
Spätere Änderungen: Verringerung, Brückenteilzeit, Aufstockung
Dauerhafte Verringerung (§ 8 TzBfG)
Nach mehr als sechs Monaten Beschäftigung können Arbeitnehmer in Betrieben mit in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmern eine Verringerung verlangen. Der Antrag muss spätestens drei Monate vorher in Textform gestellt werden. Der Arbeitgeber darf nur aus betrieblichen Gründen ablehnen und muss spätestens einen Monat vor dem gewünschten Beginn in Textform antworten, sonst gilt der Wunsch als angenommen.
Brückenteilzeit (§ 9a TzBfG)
In Betrieben mit in der Regel mehr als 45 Arbeitnehmern können Beschäftigte die Arbeitszeit für einen vorab bestimmten Zeitraum von einem bis fünf Jahren verringern und kehren danach zur ursprünglichen Arbeitszeit zurück. Für Arbeitgeber mit 46 bis 200 Arbeitnehmern gibt es Zumutbarkeitsgrenzen nach der Zahl bereits laufender Brückenteilzeiten.
Wunsch nach mehr Stunden (§ 9 TzBfG)
Hat eine Teilzeitkraft den Wunsch nach Verlängerung in Textform angezeigt, ist sie bei der Besetzung eines entsprechenden freien Arbeitsplatzes bei mindestens gleicher Eignung bevorzugt zu berücksichtigen.
Vertragliche Änderung
Jede Änderung der Arbeitszeit ist eine Änderung einer wesentlichen Vertragsbedingung und dem Arbeitnehmer spätestens am Tag des Wirksamwerdens schriftlich oder in Textform mitzuteilen (§ 3 NachwG). Am saubersten ist ein kurzer Änderungsvertrag.
Teilzeit zwischen Minijob und Vollzeit: der Übergangsbereich
Liegt das regelmäßige Monatsentgelt über der Minijob-Grenze von 603 € (2026), aber nicht über 2.000 €, befindet sich die Beschäftigung im Übergangsbereich (§ 20 Abs. 2 SGB IV), umgangssprachlich Midijob. Arbeitsrechtlich ändert das nichts — es ist ein normaler Teilzeitvertrag. Sozialversicherungsrechtlich zahlen Beschäftigte dort reduzierte eigene Beiträge. Für den Vertrag bedeutet das vor allem, die Vergütung eindeutig als Bruttobetrag anzugeben und spätere Gehaltserhöhungen im Blick zu behalten, wenn sie die Schwelle von 2.000 € überschreiten.
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- Mindesturlaub nach Arbeitstagen pro Woche umgerechnet geprüft
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Beim Vertragstyp Teilzeit erfasst mitarbeitervertraege.io Wochenstunden und Arbeitstage getrennt, weil sich Urlaub und Mindestlohn aus unterschiedlichen Größen ergeben. Fehlt die Zahl der Arbeitstage, meldet die Prüfung einen Fehler, statt den Urlaub zu schätzen.
Häufige Fragen
Wie berechne ich den Urlaub bei Teilzeit?
Urlaubstage der Vollzeitkraft mal Arbeitstage der Teilzeitkraft pro Woche, geteilt durch die Arbeitstage der Vollzeitkraft. Bei 30 Tagen Vollzeiturlaub und drei Arbeitstagen ergibt das 18 Urlaubstage. Arbeitet die Teilzeitkraft an fünf Tagen mit weniger Stunden, hat sie dieselben 30 Tage.
Bekommen Teilzeitkräfte Überstundenzuschläge?
Wenn Vollzeitkräfte einen Zuschlag ab Überschreiten ihrer vereinbarten Arbeitszeit erhalten, darf er Teilzeitkräften nicht erst ab der Vollzeitschwelle zustehen. Das Bundesarbeitsgericht hat eine solche Regelung als Benachteiligung wegen der Teilzeit gewertet (BAG, 5.12.2024, 8 AZR 370/20). Ob überhaupt Zuschläge gezahlt werden, bestimmen Vertrag oder Tarifvertrag.
Hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf Teilzeit?
Einen gesetzlichen Anspruch auf dauerhafte Verringerung gibt es nach mehr als sechs Monaten Beschäftigung in Betrieben mit in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmern, ohne Mitzählung der Auszubildenden. Für die befristete Brückenteilzeit muss der Arbeitgeber in der Regel mehr als 45 Arbeitnehmer beschäftigen. Daneben gibt es Sonderansprüche, etwa während der Elternzeit oder der Pflegezeit.
Muss im Teilzeitvertrag die Verteilung der Arbeitszeit stehen?
Das Nachweisgesetz verlangt die vereinbarte Arbeitszeit mit Ruhepausen und Ruhezeiten; die konkrete Lage der Arbeitstage muss nicht zwingend im Vertrag stehen und kann über das Weisungsrecht bestimmt werden. Für den Urlaub sollten Sie aber die Zahl der Arbeitstage pro Woche festhalten, sonst lässt er sich nicht sauber umrechnen.
Darf ich einer Teilzeitkraft weniger Stundenlohn zahlen als einer Vollzeitkraft?
Nein, nicht wegen der Teilzeit. Arbeitsentgelt steht Teilzeitbeschäftigten mindestens in dem Umfang zu, der dem Anteil ihrer Arbeitszeit entspricht (§ 4 Abs. 1 TzBfG). Unterschiede brauchen einen sachlichen Grund, der nicht in der Teilzeit selbst liegt.
Kann ich Teilzeit mit Arbeit auf Abruf kombinieren?
Ja, wenn der Vertrag die Mindeststunden pro Woche und pro Tag, den Zeitrahmen mit Referenztagen und Referenzstunden und die Ankündigungsfrist enthält. Ohne diese Angaben gelten 20 Wochenstunden und Einsätze von mindestens drei Stunden als vereinbart.
Quellen und Rechtsstand
Primärquellen für die zentralen Aussagen dieser Seite. Öffnen Sie im Zweifel immer die aktuelle Fassung.
- § 4 TzBfG — Verbot der Benachteiligung, Pro-rata-Grundsatz
- § 8 TzBfG — Dauerhafte Verringerung der Arbeitszeit
- § 9a TzBfG — Brückenteilzeit
- § 12 TzBfG — Arbeit auf Abruf
- § 3 BUrlG — Mindesturlaub
- BAG, Urteil vom 5.12.2024, 8 AZR 370/20 — Überstundenzuschläge für Teilzeitbeschäftigte
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